Von der Insel auf die Insel

Nach Bachelorarbeits-Stress, Wohnungssuche und Praktikum beim ZDF schreibe ich nun endlich die Fortsetzung unseres Schottland-Roadtrips. Gott sei Dank sind meine Erinnerungen noch so frisch, als wäre ich gestern dort gewesen. 

Eilan Donan Castle

Nachdem wir die Highland Games im Beisein der Royal Family bestaunt hatten, konnte unsere Reise  in Richtung Isle of Skye beginnen.
Jeder, der auf die Insel fährt, passiert das Eilan Donan Castle. Ich liebe diesen Spot, der egal bei welchem Wetter immer fasziniert  – auch wenn er von Touristen überlaufen ist. Natürlich findet man hier auch eine Menge Deutsche, die scheinbar gleich wieder ihre Landsleute gerochen hatten und fragten uns auf Deutsch, ob wir ein Foto von ihnen machen könnten. Na klar. Carmen übernahm diese super tolle Aufgabe und schlug gleich noch ein Foto für uns heraus. So ist dieses tolle Exemplar entstanden.

Ohne die Burg zu besichtigen, fuhren wir weiter:  Endlich auf die Insel. Ich war so gespannt, was meine Familie zu diesem Teil Schottlands sagen würden. Ich hatte ihnen die ganze Zeit vorgeschwärmt, dass es hier landschaftlich noch einmal ganz anders aussehen würde und die unendliche Weite und Einsamkeit auf ein neues Level gehoben würde. Hier leben schließlich ungefähr 6 Menschen auf einem Quadratkilometer. 

 Wir fuhren über die Brücke, die uns zur Insel führte und schnell fing Papa an, sich über die schlechten Straßenverhältnisse aufzuregen. Was das für einen Schaden am Auto anrichten würde…und wie gefährlich…diese engen, nicht einzusehenden Single-track-roads, auf denen auch noch andauernd irgendwelche Schafe oder Kühe liefen, die man nicht überfahren möchte. Dann würden sich die anderen Straßenteilnehmer auch noch unmöglich benehmen. Das Stressbarometer meines Papas war auf jeden Fall öfters im roten Bereich, während der Rest der Familie natürlich seelisch unterstützend, aber offensichtlich eher mit dem Fotografieren der Landschaft und der Tiere beschäftigt war. 

Fairy Pools

Unser erstes Ausflugsziel auf der Isle of Skye waren die Fairy Pools. Hier wollte ich schon während meines Auslandsjahres hin, was aber damals wegen Überschwemmung des Wanderwegs nicht möglich war.  Das Wetter auf Isle of Skye ist nämlich typisch schottisch. Wechselfreudig und unberechenbar. Man kann wunderschöne Sonnentage erleben,  es kann aber auch wochenlang dauerregnen. 
Bei den Fairy Pools handelt es sich um Wasserfälle, die wegen ihrer hellblauen, türkisen Farbe unnatürlich und wirklich feenhaft wirken.  Trotz meist eisiger Temperaturen trauen sich hier einige mutige Schwimmer in den Pools zu baden. Mein Papa und ich dippten unsere Füße ins -1000 Grad kalte Wasser, aber länger als eine Sekunde war es wirklich nicht auszuhalten. Ich musste meinen Fuß sofort wieder herausziehen. Anna hingegen hatte nach einem kurzen Zehentest plötzlich nur noch ihre Badesachen an und war im Fairy Pool abgetaucht. Bis heute ist dieses Verhalten für mich ein unerklärliches Phänomen, aber seit ihrem Jahr in Norwegen scheint Anna einen Aus-Knopf für ihr Kälteempfinden gefunden zu haben.
Am Parkplatz waren noch Menschenmengen gestartet. Hier am obersten Pool aber waren wir vollkommen alleine. Wo waren denn die Leute alle hin? Entgegen kam uns komischerweise immer nur eine Handvoll. Waren wir vielleicht falsch abgebogen? Meine Wegbeschreibung versagte mal wieder vollkommen  –  wie gefühlt alle Beschreibungen die nichts mit Westhighland oder Great Glen Way zu tun haben. Der Weg, wie er beschrieben war, existierte nicht und beschildert war natürlich wie immer auch nichts. Deshalb waren wir der Menschentraube immer weiter geradeaus gefolgt und dann plötzlich hatte es nur noch die Felsbrocken gegeben, die immer wieder von herabfließendem Wasser gekreuzt wurden. Danach hatten wir uns unsere Route also selbst gesucht. Möglichst sicher und nicht abrutschen bitte. Meinen Eltern war dies trotzdem nicht ganz geheuer – insbesondere, weil hier ja niemand mehr war außer uns. Wo waren denn alle? Wir hatten niemanden gesehen, der eine andere Richtung als weiter nach oben eingeschlagen hätte. Und auf dem Rückweg, je mehr wir uns dem Parkplatz näherten, waren plötzlich wieder Menschen da.
Auch im Nachhinein habe ich noch einmal recherchiert. Das Internet behauptet sogar, es gäbe einen Rundweg. Alle, die wir gesehen haben, sind bis zu einem gewissen Punkt gerade aus gegangen und als es ihnen zu unsicher wurde, sind sie wieder umgekehrt. Auch wenn wir dieses mysteriöse Rätsel damals nicht lösen konnten, wir waren zufrieden. Wir hatten unseren ganz persönlichen Fairy Pool, fernab von jeglicher Zivilisation, nur Mama, Papa, Anna und ich. 

Neist Point

Wir bezogen unser Bed and Breakfast Guesthouse und machten uns dann noch einmal auf den Weg zum Neist Point, dem westlichsten Punkt der Insel. Dieser Punkt wird durch einen Leuchtturm markiert, der direkt an den Klippen steht. Hier werden selbst die meisten 0815 Touristen ganz ruhig und bedächtig. Empfehlenswert ist es übrigens, so wie wir, kurz vor dem Sonnenuntergang herzufahren, dann reduziert sich die Menschenanzahl nämlich deutlich. Anna und ich kletterten ein bisschen auf den Klippen und ließen uns dann für einige Minuten auf den Steinen nieder.  Ich schaute zu meinen Füßen. Ein paar Meter weiter und man könnte ins unendlich weite, riesengroße Meer stürzen. 

Quiaring

Neuer Tag. Neue Wanderung. Das Ziel war Quiaring oder besser gesagt der Viewpoint des nördlichsten Gipfelzugs der Isle of Skye. Achtung, achtung, hier sollte es wieder einen wunderbaren Rundweg geben. Falls ihr aufmerksam gelesen habt, könnt ihr schon vorahnen was dann geschah. Familie Zimmermann folgte dem einzigen schmalen Weg am Hang und den Menschen, die vor uns wanderten. Wir krackselten, überquerten kleine Wasserfälle, kletterten immer weiter nach oben und so bahnte sich unser Weg bis hin zu einer langen natürlichen Aussichtsplattform. Hier fand der Weg sein Ende. Die Aussicht war unfassbar schön, aber Rundweg?? Beschilderung wie immer nicht vorhanden,  meine Beschreibung war nicht hilfreich und den anderen Wanderern zu folgen, führte uns nur wieder dieselbe Strecke zurück.  Also blieb uns nichts anderes übrig, als nach einer kurzen Verschnaufpause wieder den bereits bekannten Weg einzuschlagen. Mama und Papa waren nur dezent begeistert, denn die Route hatte schon einige unangenehme Stellen. Das Gefühl, diese persönlichen Herausforderungen geschafft zu haben, war natürlich grandios. Aber die Erkenntnis diese Unsicherheiten noch einmal durchleben zu müssen – unschön. Es half nichts, da mussten wir jetzt alle zusammen durch. 

Portree

Nun wollten wir Richtung Portree, der einzigen Stadt der Insel. Hier leben circa 2000 Menschen. Die Stadt hat einen kleinen Hafen mit bunten Häusern, die immer wieder auf allen Postkarten präsentiert wird. Ansonsten findet man hier natürlich größere Hotels, Restaurants, Cafés, Supermärkte und kleine Touristenshops. Uns war es aber nach ein paar Stunden wieder zu voll und wir wollten zurück in unser einsames Bed & and Breakfast in Edinbane, wo es nur eine oberhalb und eine unterhalb verlaufende Straße gab und auch nur ein Restaurant. 

Coral Beach

Am nächsten Tag blieb die Sonne leider aus. Nicht nur das, es sollte Regen geben und wo wollten wir hin? Zum Strand. Aber von ein bisschen Wasser von oben, lässt man sich in Schottland nicht abhalten. Nach einer kleinen Wanderung durch ein geschütztes Gebiet, kamen wir zu einem weißen Strand. Hinter uns befand sich eine freilaufende Kuhherde. Wir mussten bei unserer Erkundungstour also aufpassen, in keinen Fladen zu treten. Und das war leider gar nicht so abwegig, weil ich wegen der schönen Landschaft natürlich nicht auf den Boden schaute. 
Der Strand ist kein richtiger Sandstrand, er besteht aus gebleichten und getrockneten Algenstücken. Früher dachte man aber es seien Korallenstückchen, weshalb man ihn den Coral Beach taufte.  

Armadale Castle

Das Wetter verschlechterte sich und so konnten wir unsere eigentlich geplante Bootstour von Elgol aus nicht antreten. Da wir die Insel aber noch nicht verlassen wollten, fuhren wir zum Armadale Castle. Die heutige Ruine ist der ehemalige Herrensitz des schottischen Clans MacDonald. Hier konnten wir ein bisschen durch den Garten spazieren, aber nicht allzu lange, denn Anna hatte schlauerweise ihre Regenjacke im Auto gelassen. Glücklicherweise befindet sich hinter der Ruine auch noch ein Museum, in dem man sich auch ohne Regenjacke über den Clan und ein paar weitere geschichtliche Ereignisse auf der Insel und den Highlands informieren konnte . 

Nun war die Zeit des Abschieds gekommen – zumindest von der Isle of Syke. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich ein bisschen länger in Schottland aufhält, diese Fahrt nach Nordwesten zu wagen. Man darf sich auf keinen Fall durch die Wettervorhersagen abschrecken lassen. Selbst wenn es dauerhaft regnet, die Orte sehen einfach nur anders aus, aber dafür umso mysteriöser und definitiv genauso schön. Also rein in die Wanderschuhe, Regenausrüstung eingepackt – und los geht’s! 

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